Jugoslawien

Ernst-in-JugoslawienAnfang 1937 wurde Ernesto unter der Bedingung, Deutschland innerhalb von zehn Tagen zu verlassen, aus dem KZ entlassen. Er ging zunächst nach Jugoslawien, wo er in einem Agrarprojekt arbeitete, das jüdische Jugendliche für die Auswanderung nach Palästina vorbereitete. Er selbst wollte aber nicht nach Palästina. Er stand dem Zionismus und dem Projekt eines jüdischen Staates in Palästina sehr kritisch gegenüber, weil er der Ansicht war, dieser könne nur auf Kosten der dort lebenden arabischen Bevölkerung realisiert werden.

Nach der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen im März 1938 befürchtete Ernst den Nazis erneut in die Hände zu fallen, weil Nazideutschland nun an Jugoslawien grenzte und er mit einem Krieg rechnete. Er bemühte sich um Ausreisevisa nach Übersee. Nach Zahlung einer Gebühr erhielt er im paraguayischen Konsulat in Zagreb ein Visum für das südamerikanische Land. Über Italien kam er nach Frankreich, wo er Ende 1938 die Überfahr antrat.

fritz-freudenheim-Fluchtkarte-Bruder-von-EvaIn den letzten Tagen des Jahres 1938 erreichte das französische Schiff „Alsina“ den Hafen Montevideo in Uruguay. Vor dort sollte es auf einem Binnenschiff weiter nach Paraguay gehen. Doch in Montevideo stellte sich heraus, dass das Visum für Paraguay ungültig war, der Konsul in Zagreb hatte die schwierige Lage der Flüchtlinge aus Nazideutschland ausgenutzt und ihnen ungültige Visa verkauft. Doch glücklicherweise gestatteten ihm die uruguayischen Behörden nach einer kurzen Internierung in Uruguay zu bleiben.