Breslau

Foto: Ernst Kroch im Alter von 8 JahrenErnst Kroch wurde am 11. Februar 1917 als Kind jüdischer Eltern in Breslau geboren. Sein Vater Ludwig Kroch arbeitete als Handelsvertreter, seine Mutter Elly Kroch geb. Voss war Hausfrau. Ernst hatte zwei Geschwister, den sieben Jahre älteren Bruder Heinz und die fünf Jahre jüngere Schwester Suse. Nach vier Jahren Volksschule besuchte Ernst zunächst das Gymnasium. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie, sodass die Fortsetzung der schulischen Ausbildung nicht mehr möglich war.

Mutter-Elly-KrochVater-Ludwig-KrochEr musste 1932 die Oberschule verlassen und begann eine Lehre als Maschinenschlosser. Bis dahin hatte er sich in einem mittelständischen Umfeld bewegt. Nun bekam er erstmals Kontakt zu Arbeitern. Diese Erfahrung wurde für ihn prägend. Mit Beginn der Ausbildung trat er in die Gewerkschaft ein. Dort und in Gesprächen mit den Kollegen erfuhr er einiges über sozialistisches Gedankengut.
Etwa im Alter von dreizehn Jahren begeisterte er sich für die Jugendbewegung und schloss sich dem deutsch-jüdischen Jugendbund „Kameraden“ an. Als dieser 1932 in eine deutschnationale, eine zionistische und eine sozialistische Richtung zerfiel, schloss sich Ernst der Letzteren an. Wie die anderen linken Kameraden trat er der „Kommunistischen Jugend Opposition“ (KJO) bei, der Jugendorganisation der KPO, einer antistalinistischen Abspaltung der KPD. Anders als die KPD trat die KPO für eine gemeinsame Front aller Arbeiterparteien (SPD, KPD, SAP, KPO und kleinere linke Parteien) zur Abwehr der faschistischen Gefahr ein.
Nach der Machtübernahme durch die Nazis arbeitete die Breslauer KJO-Gruppe im Untergrund weiter und organisierte antifaschistische Widerstandsaktionen.
Im November 1934 verhaftete die Gestapo zahlreiche Mitglieder der Gruppe, anderen gelang im letzten Moment die Flucht in die nahe gelegene Tschechoslowakei. Ernst wurde am 9. November 1934 festgenommen. Wie seine Genossen und Genossinnen wurde der damals knapp 18-Jährige wegen „Vorbereitung zum Hochverrat” angeklagt und zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe wurde er im Mai 1936 nicht freigelassen, sondern ins KZ Lichtenburg überstellt.

Ernst in Lichtenburg

Link zur DVD ERNESTO alias ERNST – Der Langstreckenkämpfer
Dokumentarfilmprojekt von Martin Keßler

Link zu Ernestos Grußwort zur Wiedereröffnung der Gedenkstätte am 1. Dezember 2011